Diese Frage beschäftigt Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen.
KI-Tools sind längst Teil des Alltags von Schülerinnen und Schülern, egal ob im Unterricht oder im privaten Umfeld.
Schulen stehen damit vor der Herausforderung, junge Menschen damit vertraut zu machen und gleichzeitig deren eigenes Denken, kritisches Prüfen, Diskussionen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven zu fördern.
Deutschunterricht mit ChatGPT?
Nikola Grgic ist Lehrer und Mitglied des Leadership Teams an der Josef-Schwarz-Schule und beschäftigt sich dort auch mit digitalen Zukunftsprozessen und -themen. Er beschreibt, wie er KI im Unterricht beispielsweise einsetzt:
„Wir haben im Deutschunterricht der Klasse 8 das Thema Argumentieren und Erörtern besprochen. Die Schüler-/innen sollten im Laufe der Einheit lernen, eine vollständige Erörterung zu schreiben
In dieser Einheit haben wir auf einer Metaebene gearbeitet und gefragt: Sollte ChatGPT im Unterricht erlaubt sein?
Diese Aufgabe haben wir mit ChatGPT gelöst. Das ging aber erst, nachdem die Schülerinnen und Schüler die Grundlagen hatten. Sie mussten wissen, was eine Erörterung ist, wie sie aufgebaut ist, wie Argumente funktionieren und wie man einen kohärenten Text schreibt.
Dann haben die Schüler-/innen die Texte durch das LLM schreiben lassen, sie mit ihrem eigenen Wissen überarbeitet und sozusagen die KI auf den Prüfstand gestellt. Am Ende haben wir reflektiert: Was kann KI? Und wo hat sie noch Probleme?“
Genau darin liegt der eigentliche Lernmoment: Die Schülerinnen und Schüler haben eine Einordnung vorgenommen, Argumente geprüft, Schwächen erkannt, überarbeitet und diskutiert und damit erlebt, dass ein Ergebnis nicht automatisch gut ist, nur weil es schnell verfügbar war.
Auch Frustrationserfahrungen gehören dazu.
Durch Rückschläge oder Kritik lernen Kinder und Jugendliche zu wachsen, wenn sie merken: Ich kann dranbleiben, einen Gedanken weiterentwickeln und eine Herausforderung bewältigen, auch wenn der erste Versuch noch nicht perfekt ist.
Nikola Grgic beschreibt genau diesen Punkt sehr klar: Wenn Schüler-/innen nur eine Aufgabe eingeben und das fertige Ergebnis übernehmen, fehlt die eigentliche kognitive und emotionale Beschäftigung mit dem Thema. Deshalb müsse der Mensch im Prozess bleiben.
Zukunftsperspektiven
Perspektivisch sind viele Szenarien denkbar. So gäbe es die Möglichkeit, dass Schüler-/innen künftig mit Hilfe von KI noch selbstständiger lernen: Unterrichtsmaterialien strukturieren, sich auf Tests vorbereiten, Übungsfragen generieren lassen und Feedback erhalten.
Das ist eine spannende Idealvorstellung, aber auch sie braucht Begleitung.
Die offene Frage bleibt also:
Wie gelingt es Schule, Kinder und Jugendliche mit KI vertraut zu machen, ohne ihnen die wertvollen Umwege des Lernens zu nehmen?
An der Josef-Schwarz-Schule beginnt die Antwort darauf mit konkreten Unterrichtssituationen, ehrlicher Reflexion und der Bereitschaft, gemeinsam weiterzulernen.